Mittwoch, 21. Mai 2014

Nachgeforscht: Orthorexie oder die Sucht, gesund zu essen


Gesundes Essen ist supergut!
Aber was, wenn es zur Sucht wird? Man sich vor ungesundem sogar Essen ekelt?


Es gibt einen Begriff dafür: Orthorexie. Die Sucht, möglichst gesund zu essen. Lebensmittel in gesund und ungesund einteilen, in "darf ich" und "darf ich nicht", in gut und böse... Dies ist ebenso ein krankhafter Umgang mit dem Essen wie bei einer Anorexie oder einer Bulimie.

Klar, muss man unterscheiden zwischen einem healthy Lifestyle mit Bedacht auf gesunde Ernährung und einer tatsächlichen, krankhaften Essstörung (oder auch einer "verhaltenspsychologischen Ernährungsstörung"). Dabei sind die Übergänge fließend. Ab wann sollte man sich also Gedanken machen?

  • denkt man ständig darüber nach, was man als nächstes essen wird?
Keine Äpfel mehr im Haus und deswegen Stress? Noch schnell einkaufen, der Wagen ist voll mit Bio-Obst und Bio-Gemüse - sieht aus wie für jemanden, der Diät halten muss. Und dabei hat man Normalgewicht, vielleicht sogar an der Grenze zum Untergewicht? Eine gewisse Bessenheit kristallisiert sich. Der Genuss und die Freude treten dabei in den Hintergrund. Beim Nichteinhalten des persönlichen Essensplan entstehen heftige Schuldgefühle. Man kann es mit allem übertreiben, aber wenn die Gedanken nur noch um die nächste, möglichst gesunde Mahlzeit kreisen und tagesfüllend sind, dann ist das nicht gut.
  • Recherche und Zubereitung brauchen viel Zeit
Wo ist der nächste Biobauernhof? Welches Gemüse hat am meisten Calcium? Habe ich meinen Proteinbedarf für heute schon ausreichend gedeckt? Lieber unterwegs Hungern anstatt sich etwas beim Bäcker zu kaufen? Es ist aufwendig, den persönlichen Essensplan einzuhalten und geeignete Nahrungsmittel herauszusuchen. Es wird nichts gegessen, wovon man weder Herkunft noch Nährwerte kennt. Es kann soweit kommen, dass die Qualität und die Inhaltsstoffe eines Lebensmittels wichtiger sind als dessen Geschmack. (Kennt ihr das von früher? "Kind, ess mehr Spinat, der ist gesund!" Kleine Anmerkung: Ich mochte Spinat schon immer, aber wieviele Kinder mussten sich den reinzwingen, weil er ja ach so gesund ist *lach*)
  • man unterscheidet nicht zwischen sich selbst und anderen?
Vielleicht hat man sogar ein Problem, ihnen beim ungesund-essen zuzusehen? Man möchte Tipps geben, ins Gewissen reden, weil man es doch besser weiß und sich umfassend informiert hat. Lass dieses sein, tausche es gegen jenes aus etc. Sätze fallen wie: Weißt du, wieviel Fett das hat? Es gibt eine gesunde Alternative! Achte auf dein Eiweiß! Man fühlt sich überlegen, weil man schließlich mehr als gut genug über Ernährung informiert ist, dabei ist man dem Gesundheitswahn verfallen.
  • treibt einen die Orthorexie in eine soziale Isolation?
Beispielsweise sagt man eine gut gemeinte Einladung zum Burgeressen mit Freunden ab, damit man keinen Burger essen muss? Man verbringt die Mittagspause nicht mit den netten Kollegen in der Kantine, sondern bringt sich einen Salat von zu Hause mit, den man alleine in der Suppenküche isst? Das Essen hat ein viel zu hohen Stellenwert erlangt.

Gesundes Essen ist gut für den Körper. Aber der Zwang, gesund zu essen, ist nicht gut für die Seele.
Bei einer Zwangsstörung sind sich die Betroffenen meist bewusst, dass ihr Verhalten wenig Sinn macht (beispielsweise bei einem Waschzwang), sie können jedoch trotzdem nicht davon ablassen. Bei einer Orthorexie hingegen sind sich die "Betroffenen"(Leidensdruck!) gar nicht bewusst, dass sie etwas ändern sollten. Schätzungen gehen von 1% der deutschen Bevölkerung aus, die betroffen sind. Andere Studien haben ergeben, dass jeder zweite krankhaft gesund isst. Das Thema ist noch viel zu wenig untersucht worden, weil ein Körper an sich schließlich nicht unter gesunder Ernährung leidet (solange nicht unterkalorisch gegessen wird). Daher sind solche Einschätzungen eher zweifelhafter Natur.

Wir haben den Luxus, uns Lebensmittel aussuchen zu können.
In Zeiten von Lebensmittelskandalen enstehen in unseren Breiten u.a. so Sachen wie ein besonderer Bedacht auf die Herkunft von Nahrung oder eben Orthorexie. Weil wir den Luxus haben, zu manchem Lebensmitteln NEIN sagen zu können. Manche Bervölkerungsgruppen haben jedoch gar keine andere Wahl als Verdorbenes zu essen, weil einfach sonst nichts anderes da ist. Oder denke man mal an das verseuchte Wasser in Afrika und Asien. Schlimm sowas! Auch die aktuelle Überflutungskatastrophe in Bosnien sollte uns daran erinnern, wieder mehr Achtung und Dankbarkeit zu haben!

Ein paar meiner Sätze sind übertrieben formuliert - es sind lediglich Beispiele zum Thema!
Eine meiner Erfahrungen zu diesem Thema: Ich hasse Fisch! Habe aber schon zweimal welchen gekauft, weil er so gesund ist mit vielen guten Fetten und tierischem Eiweiß. Das erste Probieren: Würg, grässlich! Trotzdem hab ichs nochmal probiert: Würg. Schmeckt mir einfach nicht. Ich lass es also lieber blieben.

Abschließend möchte ich noch zu Bedenken geben: Es sind auch schon Nichtraucher an Lungenkrebs gestorben. Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung kann vor Krankheiten schützen, aber es ist keine Garantie. Man sollte also jeden Tag dankbar sein, dass es einem so gut geht, wie es einem geht. Es kann immer noch schlechter werden, also Kopf hoch und genießt euer Leben!

12 Kommentare:

  1. Ui, das war wirklich ein sehr interessanter Beitrag!
    Ich habe überlegt, ob mich mir Gedanken darüber machen muss, ob ich vielleicht an Orthorexie leide. Vorbereitungen für die Mahlzeiten und immer vorkochen für die Arbeit nehmen schon sehr viel Zeit in Anspruche... und ja, der Obstkorb hat voll zu sein... was soll ich denn sonst zum Frühstück essen?
    Aber: So lange hin und wieder noch Convenience Produkte in meinem Einkaufswagen landen und ich auch noch mit anderen Leuten ins Restaurant gehe, denke ich, dass es noch keinen Grund zur Sorge gibt. :D

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  2. oh ich fühl mich schon so schlecht. du kommentierst immer so nett und oft und ich hatte noch gar nicht die zeit zu antworten und schon ein neues kommentar von dir. danke. du bist echt sooo lieb.
    und dann komm ich her und post natürlich gleich unter dem ortho-post. na toll. vor ein paar jahren wurde das bei mir diagnostiziert, aber ich bin gott sei dank lange nicht mehr so extrem und meine therapie hat mir damals wirklich sehr geholfen. das zu lesen, hat gerade eine menge erinnerungen hoch geholt und ich frage mich grade ob ich nicht doch wieder ein paar alte züge angenommen habe - aber nein so extrem gesund ernähr ich mich jetzt nicht mehr und auch psychisch steh ich jetzt diesbezüglich nicht mehr so unter druck.

    dein kommentar hat mich beruhigt. ich fühl mich auch total fett in engen klamotten aber beim sport muss es einfach passen. und wegen dem süßkram. das passt ja genau zur gesunden ernährung^^ die kalorien an sich stören mich nicht, weil wir wirklich viel gearbeiteten haben aber musste es süßes sein? warum konnten es keine gesunden kalorien sein? der zucker und die künstlichen inhaltsstoffe und ungesunde fett etc. ärgern mich viel mehr als die kalorien.
    lg leuka

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  3. Ich habe nach deinem Beitrag auch kurz mal in mich hinein gehorcht, aber ich bin auch sehr sicher, dass ich gesund und munter bin. Weil Essen einfach nicht mein Lebensmittelpunkt ist. Genauso wenig wie ich Sport als "Kalorienverbrenner" sehe, sondern mittlerweile als Leidenschaft, bei der mich meine Leistung oder Laufzeit oder Pace einfach mehr interessiert. Aber ist echt ein toller, aufklärender Beitrag, danke!

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  4. jaaaa, solche strände gibt es wirklich!! wunderschön, echt unvorstellbar!!
    nein, so anstrengend ist bananenboot fahren gar nicht. mit der zeit tun einem die hände nur weh vom festhalten (mir zumindest, da ich so ein schwächling bin). aber total lustig! musst du unbedingt mal machen wenn du die möglichkeit dazu hast.

    meine verwandten leben alle, das ist natürlich das wichtigste. aber wie solls jetzt bloß weitergehen. die wohnung meiner großeltern war komplett überflutet, die können da in nächster zeit nicht einziehen. meine cousine hat mir gesagt dass es die stadt quasi nicht mehr gibt, weil einfach ALLES zerstört ist.... ich glaub mich trifft der schlag wenn ich das nächste mal dort bin.

    ich finde deinen beitrag total interessant und muss ehrlich zugeben, dass ich mir darüber noch nie gedanken gemacht habe. danke für den tollen post!
    bei mir wird es da eher nie sorgen geben, denn auf eine pizza oder sowas könnte ich einfach nie komplett verzichten! :)

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  5. Ich hab mir auch kurz die Frage gestellt, aber da ich auf süßes stehe, besteht da keine Gefahr. Mich nerven solche Leute auch tierisch. Kenn da zwei von...Männer und nicht mehr ganz jung

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  6. Laut der Beschreibung unter den Punkten, würde ich wohl an Orthorexie leiden, der entscheidende Punkt ist aber, dass es bei mir aus Interesse so ist, nicht weil ich denke, dass ich es MUSS oder dass ich dadurch "kaputt" gehe.
    Und das Essverhalten anderer beobachte ich einfach und allein aus dem Grund, dass ich Ernährungsberaterin bin und es ist also quasi ein berufliches Interesse ;)

    Ich denke der wichtigste Punkt für Orthorexie ist definitiv die Angst davor etwas, was man selbst als ungesund ansieht zu essen.

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  7. Diese Leute, die einem wirklich die Lust am Essen verderben, regen mich auch auf.
    Wenn man beispielsweise gerade in sein Brötchen beißen will und dann kommt, wie viele Kalorien das hat. Können gerne ihr Leben so verplanen, aber das der anderen doch bitte davon verschonen!

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    1. Oh ja...oder die einem erzählen, wie viel Chemie die Dose Coke enthält

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  8. Ui, das ist aber ein interessanter Artikel. Hatte noch nie was davon gehört. Aber letztlich zeigt es doch nur, wie verquoren wir Menschen heute sind und einfach nicht mehr normal essen können. Klar, natürlich versucht die Lebensmittelindustrie das stark durch verschiedene Stoffe zu beeinflussen, aber trotzdem ist unser Körper einzigartig. Und er hat tolle Funktionen im Gepäck: Hunger, Appetit und das Sättigungsgefühl. Warum können wir nicht einfach mal wieder auf unseren Körper hören? Und wenn der jetzt sagt, ich habe Lust auf ein Knoppers, dann wird es jetzt eben ein Knoppers sein. :)
    Bei Udo Pollmer habe ich gelesen, dass mittlerweile die Hälfte der Frauen und ein Viertel der Männer nicht mehr normal essen können ohne sich ständig drüber Gedanken zu machen. Eigentlich echt traurig...

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  9. Ich finde das Thema ziemlich schwierig. Denn in einer Zeit, in der z.B. 70 % der Amerikaner übergewichtig sind, frage ich mich, ob man sich denn nicht manchmal so anstellen "muss". Es bleibt natürlich jedem selber überlassen was er tut und daher sollte man auch niemandem in sein Essen reinreden.

    Was mich aber stört ist z.B. die Aussage über die Qualität in dem Text. Vielleicht ist es unglücklich formuliert aber für mich hört es sich so an: "so lange es schmeckt ist es egal was drin ist". Und das finde ich von Grund auf falsch. Denn unser Körper braucht richtige Nahrung und Nährstoffe. Keine Geschmacksverstärker und keine Chemie oder sonst etwas. "Cleane" Produkte sind aber im Supermarkt super schwer zu finden, wenn man jetzt mal von dem Offensichtlichen wie Gemüse und Obst absieht (obowhl - Pestizide?!). Und wenn ich dann Fleisch in den Händen halte, das nur zu 85 % oder so aus Fleisch besteht, dann bin ich froh, dass ich mir das Etikett angeguckt habe. Dasselbe gilt für Zucker in Lebensmitteln, wo wirklich keiner drin sein sollte. Und dass man einem Kind sagt, es sollte sein Gemüse essen finde ich auch richtig. Man sollte natürlich nichts erzwingen, aber ich finde es schon erschreckend genug, dass es so viele Kinder gibt, die die eigentlich Grundnahrungsmittel nicht mögen, weil Convinience Produkte, Chemie und vor allem die Eltern schon so viel "kaputt" gemacht haben. Man tut seinem Kind sicher keinen Gefallen damit immer nachzugeben und es die Pommes oder die Pizza essen zu lassen.

    Wenn es nach der Definition da geht, dann würde ich wohl auch unter Orthorexie leiden. Ich finde aber eher, dass ich mich gesund ernähre, in dem ich weitesgehend (nicht komplett) auf Zucker und Chemie verzichte. Und das bringt nun mal einige der da aufgeführten Punkte mit sich.

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    1. Hallo MissK,
      Danke für deinen Kommentar, auch ich finde das Thema schwierig. Ich habe mich durch verschiedenen Quellen informiert und versucht, ein bisschen davon weiterzugeben und eine eigene Meinung hinzuzufügen. Was die Formulierungen angeht, bin ich wahrlich kein Meister auf dem Gebiet.
      Warscheinlich liest du meinen Blog noch nicht sehr lange, sonst würdest du wissen, dass auch ich mit meiner Ernährung ganz stark in die cleane Ecke tendiere. Es ist nicht egal, was in einem Lebensmittel steckt! Aber sich etwas reinzuzwängen, nur, weil es sehr gesund ist, ist meiner Meinung nach falsch (siehe mein Fisch-Beispiel). Deswegen auch die Formulierung "es kann soweit gehen, dass...".
      Menschen, die Orthorexie haben, essen meist ach clean, sind auf gesunde Bio-Lebensmittel aus und essen vieles nur deshalb, weil es gesund ist. (nicht, weil es ihnen schmeckt) Und wenn es schließlich soweit gekommen ist, ist das schon bedenklich, wie ich finde. Hoffentlich konnte ich es nun etwas klarer stellen, was gemeint war?
      Viele Grüße, Leeli

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  10. Nein gibt es eben ja eben nicht - v.a. da du ja allgemein kein geheimnis draus macht aus dem schönen Frankenland zu sein ;D Wollts dir ja nur sagen, dass du die Adressen vllt einfach nicht mehr posten solltest ;) Hallo und da sagst du nix?? Wobei ich auf FB für fremde glaub ich ziemlich langweilig bin. Man dürfte nicht viel sehen und aus meinem Gesicht mach ich ja auch auf meinem Blog kein Geheimnis ;)
    Vielleicht solltest du dir mal nen Spritzschutz für deine Pfanne zulegen? :D Die Dinger kosten nur nen Euro ;) Ich mein, wenn ich grad frisch geduscht bin und abends ausgehen möchte, würd ich mich jetzt auch nicht in die Küche stellen, aber Abendessen kochen um danach auf dem Sofa zu bleiben? Mein gott, dann riecht man halt nach essen ;)
    Ja, der wahnsins stundenlohn.. Um den ist es schon ein bisschen schade.. sowas find ich wohl eher nicht wieder..
    Spülmaschine einräumen ist einfach eklig :D Also ich machs schon auch, aber wehe mein Finger landet in nem Essensrest, das ist eklig hoch 10 :D (mit ausräumen hab ich ja gar kein Problem, das ist ja auch allein meine Aufgabe - dafür dass mein Freund halt einräumt :D) Wobei mir gerade auffällt, dass es tatsächlich etwas fragwürdig ist: Beim mit der Hand abspülen hab ich jetzt auch nicht so wirklich ein Problem?
    Und grundsätzlich hab ich nichts gegen Keller. Also hätte ich nen bewohnbaren Keller würde ich da den Sommer auch gern verbringen - Aber der Keller einer 150-parteien Hauses, wo der Keller nur aus so Holzverschlägen besteht, jeder sein Abteil hat, man nie weiß wer sich da unten gerade aufhält und eben auch der Waschkeller ist, wo die Gemeinschaftswaschmaschinen stehen, ist das doch etwas anderes :P
    Nein ich geh im Moment nicht joggen, wie du ja mitbekommst. allgemein fehlt im Momnt die Motivation zum Sport, aber das krig ich schon noch geändert...

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