OA bedeutet Overeaters anonymus.
Es gibt Gruppentreffen (KLICK), die man ohne Voranmeldung besuchen kann.
Im Vorfeld habe ich es mir GANZ anders vorgestellt: Viele Leute, viele mit Übergewicht. Eine große Gruppe, in der man sich ganz hinten im Eck verstecken kann und einfach nur zuhören kann. (Abwägen, ob man überhaupt "richtig" ist oder ob man lieber wieder gehen sollte). Viel Gerede über Essen, was man gegessen hat etc. Jeder heult sich aus, man diskutiert, man bekommt Tipps... Als Neuankömmling wird man in Ruhe gelassen, wenn man das will.
Falsch gedacht. Es war eine Gruppe von fünf Frauen(wobei ich Nummer 5 war!), die in einem Stuhlkreis zusammensaßen. Verstecken war also nicht. Blöderweise hab ichs nicht gleich gefunden und kam auch noch zu spät. Doof. Da fällt man erst recht auf! Eine war etwa so alt wie ich. Wie sich feststellte, ist sie Studentin. (Juhu! Ich fühlte sofort eine Art Verbundenheit, obwohl sie ess-brechsüchtig ist und ich selbst nie gebrochen habe wegen "zu viel Essens", sie war schlank bis normalgewichtig) Eine war etwa Mitte/Ende 30(sehr sympathisch, normalgewichtig), die anderen beiden zwischen 45 und 50.(eine von ihnen lebt in anderen Sphären, steckte schon in tiefen Depressionen, wobei sie sich nichtmal zum Briefkasten getraut hat). Beide hatten ein wenig Übergewicht (vielleicht so fünf bis zehn Kilo überm Normalgewicht, also nichts mega tragisches). Alle haben mir zu Beginn ihre privaten Telefonnummern aufgeschrieben und gesagt, ich dürfte gerne jederzeit anrufen, wenn etwas ist.
Die Treffen kosten nix. Man darf etwas spenden, muss aber nicht. (Jeder hat etwas in die Büchse getan, deswegen hab ich das auch getan, vor allem da ich viele Prospekte/Magazine mitnehmen durfte, die ja auch einen gewissen Wert haben)
"Jemand mit gesundem Denken würde sich nicht immer selbstzerstörerisch verhalten."
Es wurde viel gelesen. Es gibt feste Pläne, wie die Treffen ablaufen, was gelesen wird(OA-Grundsätze, 12-Schritte-Programm), wie lange jeder maximal am Stück sprechen darf (2 Min) usw. Unter anderem fiel der oben zitierte Satz. Bei diesem dachte ich mir: Ja, hier bin ich richtig. Wisst ihr, meine lieben Leser, was ich gestern gegessen habe? 400 gr Schokolade, 2 Brezen, 1 Croissant, 1 Müsli, einen großen Teller Gemüse-Reis-Putenpfanne, circa acht belegte Brote... irgendwann konnte ich nicht mehr. Um circa 18 Uhr habe ich aufgehört, weil das Essen nicht mehr weiter runter ging. Es steckte im Hals fest und fühlte sich an, als wollte es oben wieder raus. Nach einer unangenehmen Nacht war ich heute schon sechsmal auf dem Klo. Juhu :-( Wenn das nicht selbstzerstörerisch ist, weiß ich auch nicht mehr weiter. Übrigens darf man bei den OA-Treffen keine Lebensmittel nennen, um niemanden zu triggern. Nur Oberbegriffe sind erlaubt. Demnach hätte ich also viele Backwaren und Süßigkeiten zu mir genommen (Ja, und das obwohl das WoE so gut gelaufen ist...ich ärgere mich so dass ich diesen FAs scheinbar hilflos ausgeliefert bin)
"Jemand mit gesundem Denken würde nicht immerwieder Dinge tun, die schon früher nicht funktioniert haben und trotzdem ein anderes Ergebnis erwarten."
Klingt nach Albert Einstein. Schonmal gehört. Okay. Stimmt soweit ja auch.
Die OAs sagen, man soll sich vornehmen, 1 Tag lang abstinent zu leben, also ohne jegliche Fressanfälle. Nicht die Vorschau auf die nächsten drei Tage oder die kommende Woche planen oder so. Das stelle ich mir machbar vor, da man sich nicht so sehr unter Druck setzt. Viele der OAs suchen sich noch dazu sog. Sponsoren, also andere OAs, mit denen sie täglich(!) telefonieren. Sie sprechen ihren Tagesessplan für den kommenden Tag ab und sagen, was sie an diesem Tag gegessen haben (ob sie sich an ihr Vorhaben vom Vortag halten konnten). Das erscheint mir sinnvoll. Könnte ich dies nicht auf diesem Blog umsetzen? Hm, mal versuchen. Mein heutiges Essen habe ich zwar nicht gewogen, aber fotografiert, dazu dann morgen mehr.
"Nimm dir, was du brauchen kannst und lasse den Rest."
Klar klingt alles gut undso. Aber wieso reden die immer von Gott? Ich bin doch gar nicht gläubig! Bin ich also doch falsch? Wenn die "Gott" sagen, dann meinen sie eine über uns stehende Kraft, die mächtiger ist als wir, vielleicht eine Art "Gottheit". Hm, damit könnte ich mich "abfinden". Da mir schon so viel Mist in meinem Leben passiert ist, habe ich irgendwann aufgehört, an jemanden zu glauben, der es gut mit mir meint. Vielmehr habe ich versucht, all das Schlechte gut zu reden von wegen "Durch dieses Schlechte ist mir jenes Gute passiert". Naja.
Wenn jemand redet, stellt er sich vor.
"Hallo, mein Name ist Leeli, und ich bin esssüchtig" - alle: "Hallo Leeli!"
Das 1.Mal hab ich mich gefühlt wie in einem schlechten Film oder einer amerikanischen Soap. Aber die machen das tatsächlich JEDES Mal. Wenn jemand fünfmal in der Sitzung spricht, dann stellt er sich auch fünfmal so vor, und die anderen begrüßen denjenigen fünfmal. Ein bisschen seltsam. Ich habe zweimal gesprochen, einmal wurde ich gefragt, ob ich etwas sagen möchte, das andere mal aus eigener Initiative. Beide Male war meine Stimmte ganz zittrig und wär mir fast vergangen, ich war kurz vorm Heulen. Einen kurzen Moment lang habe ich mich gefühlt, als wäre ich die kaputteste von allen Anwesenden. Aber die haben alle auch schon ne Menge durch. Bei mir platzte vieles raus in dem Moment. Wie privat man werden darf, wusste ich nicht.
Die eine sympathische Mitdreißigerin hat einen Essensplan, der ihr sagt, sie solle nach einer Mahlzeit mindestens vier Stunden, maximal sechs Stunden warten, bis sie wieder isst. Und nur drei Mahlzeiten am Tag... Sie wiegt alles ab. Anstrengend. Klingt aber auch bekannt. Der Zusammenhalt machts, denke ich. Der Kontakt zu anderen mit ähnlichen Problemen. Aber der Kontakt ist doch schließlich der Grund, weswegen ich diesen Blog eröffnet habe! Hm.
Die Leiterin des Treffens (eine der Mitvierzigerinnen) meinte, dass man erst nach fünf(!) Treffen entscheiden sollte, ob man zu den OAs geht oder nicht. Solange sich das Ganze erstmal anschauen. Naja. Wird die Zeit zeigen, was passiert, ob ich nächste Woche wieder hingehe etc. War jemand von euch schonmal auf so einem Treffen oder hat es vor?
Von Overeaters habe ich noch nie gehört, find ich aber interessant, danke für den Hinweis.
AntwortenLöschenHab da auch noch nicht von gehört, habe aber auch nicht das Gefühl, dass es hier sowas gibt..
AntwortenLöschenIch hatte tatsächlich schonmal davon gehört, aber hatte mir das auch ganz anders vorgestellt. Hatte mich aber ehrlich gesagt auch nicht näher mit auseinander gesetzt, aber war echt total interessant jetzt mal zu hören, was genau das so ist.
AntwortenLöschenIch habe ja meine Therapeutin und auch so nach deiner Beschreibung (so die "Gott-Nummer" ist auch nicht so meins z.B.) kommt das aber, glaube ich, nicht für mich in Frage.
Alles Liebe ♥
Ich finde das klingt eher gruselig als hilfreich. Wie ne Sekte...
AntwortenLöschenIch finde das klingt alles eher depremierend und wenn man wo landet wo man "triggern" kann, ist da schon ne ziemliche Essstörung da. Denn einen gesunden Menschen würde es ziemlich kalt lassen wenn du erzählst dass du "400 gr Schokolade, 2 Brezen, 1 Croissant, 1 Müsli, einen großen Teller Gemüse-Reis-Putenpfanne, circa acht belegte Brote... " gegessen hast.
Also ch persönlich würde mich von sowas defenetiv fern halten.
Ich finde das auch eher etwas.. unheimlich. Würde da die "übliche" Therapeutin in privatem Rahmen vorziehen. Wusste nicht, dass es sowas überhaupt gibt.
LöschenHab noch nicht davon gehört, würde aber phasenweise da sehr gut reinpassen fürchte ich...
AntwortenLöschenIch find's super, dass du dir das anschaust und darüber berichtest (soweit das von der Gruppe her ok ist). Selbst habe ich keine Erfahrungen mit sowas, aber ich habe mich schon öfters gefragt, wie das in solchen Gruppen (namentlich AA) so ist. Ich würd's mir an deiner Stelle auch nochmal anschauen. Ob du's gleich fünf Mal machst bis du dich entscheidest, kannst du dann immer noch schauen.
AntwortenLöschenWow, Respekt, dass du es dir angeschaut hast :) Wenn es was für dich ist, hoffe ich, dass es dir hilft.
AntwortenLöschenIch war immer eine Einzelkämpferin, aber es tut trotzdem gut, mit jemandem zu reden der ähnliches durchmacht oder durchgemacht hat (ich hab da eine Freundin).
Ich drück dir ganz ganz ganz ganz doll die Daumen! Fressanfälle sind grässlich, ich weiss das ...